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16. Dezember 2004

Das einzige, was die Armut beseitigen kann, ist miteinander zu teilen.
(Mutter Teresa)

von Thomas Suckow

In einigen Tagen ist wieder Weihnachten. Frieden kehrt ein bei uns, die wir in einem Land leben, in welchem kein Krieg herrscht. Leuchtende Kinderaugen unter funkelnden Kerzen. Erschöpfte Familien versammeln sich unter dem Weihnachtsbaum. Der Stress scheint vorbei, dank Gänsebraten und Rotwein.

Frohe Weihnacht wünscht Herr Hartz

Die Wirtschaft ist zufrieden. Sie hat mit dem Weihnachtsgeschäft ihren Reibach gemacht, dank flächendeckend angewandter ökonomischer Tricks. Da ist die Adventszeit eben sechs Wochen lang. Da werden wir eben seit Anfang September von unseren Supermärkten mit Lebkuchen, Schokoladenweihnachtsmännern und Adventskalendern belästigt. Die Deutschen haben brav auf ihren Sozialabbaukanzler gehört und Geld ausgegeben: „Was heißt hier schwacher Binnenmarkt?“, hatte Schröder vor einigen Wochen verkündet. „Einfach mehr einkaufen, Leute!“ - Dümmer geht's nimmer!

Dieses Jahr war ein gutes Jahr. Für die Wirtschaft. Deutschland ist wieder Exportweltmeister. 4 Billionen Euro (= 8.000.000.000.000 DM) liegen auf privaten Sparkonten. Mehr als die Hälfte dieses Vermögens befindet sich bereits in der Hand von nur 8% der Bevölkerung. Die Geldumschichtung von unten nach oben geht also munter weiter. Es ist der Reichtum dieser Wenigen, der leere öffentliche Kassen produziert.

Die Menschenverachtung eines unmenschlichen Systems, das den Menschen auf die Ware Arbeit reduziert, macht die Menschenwürde antastbar. Das Grundgesetz wird zur Farce. Vielleicht sollte der Verfassungsschutz einmal die Chefetagen der großen Konzerne überwachen und die Büros der Politikerinnen und Politiker der neoliberalen Blockparteien.

Jetzt wird alles besser. Millionen von erwerbslosen Menschen werden mit Hartz IV in die Armut gestürzt, Millionen Sozialhilfeempfangende werden, auch wenn unsere von der Wirtschaft geschmierten neoliberalen Politschergen dreist und frech anderes behaupten, Leistungskürzungen hinzunehmen haben. Durch den kompletten Wegfall aller Einmalleistungen werden sie finanziell eindeutig schlechter gestellt. Der Bruch zwischen Ost und West wird sich durch Hartz IV vertiefen. Der Unterschied zwischen Ost und West besteht aus 14 Euro pro Kopf und Nase. „Die Lebenshaltungskosten sind im Osten einfach niedriger als im Westen“, behauptete Angela Merkel vor einigen Wochen auf einer Pressekonferenz. Wo, verdammt nochmal, lebt die eigentlich? Zu guter Letzt werden die Ein-Euro-Jobs weite Strukturen des Arbeitsmarktes zerstören.

Der neoliberale Ungeist hat uns dieses Jahr reich beschenkt; und ehrlich war er zu uns: Er hat uns klipp und klar gezeigt, daß er nicht das mindeste Interesse daran hat, die erwerbslosen Menschen in diesem Land in Lohn und Brot zu bringen.

Fröhliche Weihnachten!


ViSdP.:
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